#RasenWiki

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Rasenpflege – unter Berücksichtigung gesellschaftlichen und klimatischen Wandels 

Vorwort

Die letzten Jahre haben uns vor Augen geführt, dass sich einerseits das Klima vermehrt hin zu Extremen bewegt, anderseits wie stark unsere Arbeit und deren Erfolg von eben diesem Klima abhängig ist. Wir müssen uns eingestehen, dass wir nur mit der Natur und dem Klima, nicht an ihnen vorbei, unsere Gärten, Sportplätze oder Golfanlagen pflegen können.

Aber nicht nur der Klima-, sondern auch der gesellschaftliche Wandel hinterlässt Spuren, welche unsere Arbeit berühren und teilweise vermeintlich einschränken. Das öffentliche Interesse an der Natur und ihrem Schutz ist stark gestiegen. Dies zeigen nicht erst die erfolgreiche Lancierung zweier Volksinitiativen («Trinkwasserinitiative» – https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/politik/trinkwasserinitiative.html und «Schweiz ohne synthetische Pestizide» –  https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/politik/initiative-sosp.html), sondern auch der grosse Erfolg von Filmen wie «more than honey», der das weltweite Bienensterben zum Thema hat. Das sich dies in der Politik sowie in der Gesetzgebung niederschlägt, war zu erwarten. Und so sind die Anforderungen und Einschränkungen für neue Wirkstoffe im Pflanzenschutz schrittweise erhöht worden und viele Produkte sind heute nicht mehr erhältlich.

Dieser Prozess, dazu kann man die Kristallkugel getrost im Regal lassen, wird in den nächsten Jahren weiter voranschreiten und setzt man sich nicht genug früh damit auseinander – den einen oder anderen Grünpfleger und Greenkeeper etwas ratlos zurücklassen. Ein Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarn offenbart uns eine sehr wahrscheinliche Version der nächsten Jahre: Typische Rasenfungizide wie «Headway», «Daconil Weather Stick», «Bravo 500», «Defensor SC» oder Mittel mit dem Wirkstoff «Mancozeb» wie «Dithane Neotec», «Tutor WG» haben die Zulassung für Rasenflächen bereits verloren oder  sie läuft bald aus. Auch die Bekämpfung von Unkräutern ist seit dem Wegfall von «Duplosan KV Combi», «Downwind» in Deutschland stark eingeschränkt. Aus Erfahrung lässt sich abschätzen, dass diese Einschränkungen der Zulassungen in den nächsten Jahren, vielleicht sogar nur Monate, auch in der Schweiz umgesetzt werden (bspw. beim Wirkstoff «Chlorothalonil» {Produktname –> Defensor SC}).

Ob dieser Entwicklung mag man sich auslassen und ärgern, nutzen wird es nichts. Vielmehr möchten wir uns und damit einhergehend auch sie dazu animieren, proaktiv auf diese Entwicklungen zu reagieren. Die folgenden Zeilen stellen den ersten Teil einer mehrteiligen Serie dar, die sich um verschiedene Aspekte und Herausforderungen der Rasenpflege im Hinblick auf sich ändernde klimatische und gesellschaftliche Bedingungen dreht. Obschon dabei der Fokus auf die ganzheitliche Pflege der Rasenfläche gerichtet ist, lassen sich einige Aspekte auch für die Pflege von Zierpflanzen im Allgemeinen übernehmen. 

Teil 1, gepostet am 8. August 2019, 07.00 Uhr 

Einführung Rasenprobleme (Krankheiten, Schädlinge, Unkräuter und Ungräser, Trockenstellen usw.) 

Die Schadbildanfragen in Bezug auf Rasenkrankheiten haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies mag einerseits mit der gestiegenen Bedeutung des Privatrasens für den Gartenbesitzer zusammenhängen, anderseits ist dieser Trend auch im gestiegenen Fokus von Vorträgen und Diskussionen verschiedener Gremien der Rasenforschung, Rasenspezialisten sowie bei den professionellen Rasenpflegern (Greenkeepern) zu beobachten.
Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, indem Krankheiten
auftreten, die bei uns wenig bekannt und wenig verbreitet waren wie bspw. «Brown Patch» (Rhizoctonia solani) oder «Grey leaf spot» (Pyricularia griseaoder bekannte Krankheiten wie «Dollar Spot» (Sclerotinia homeocarpa), «Sommer-Fusariose» (Fusariumculmorum oder Fusarium poae), «Rotspitzigkeit» (Laetisaria fuciformis) öfters auftreten. Wie lassen sich solche Krankheiten bei Wegfall von wirksamen Fungiziden erfolgreich bekämpfen bzw. eindämmen? Die Antwort ist ganz kurz: vorbeugende Pflegemassnahmen. In diesem sowie in den folgenden Beiträgen wollen wir diesen Vorschlag etwas konkretisieren. 

Befallsfördernde Faktoren/Allgemeine vorbeugende Massnahmen 

Ungeachtet dessen, welchen Rasen-Ratgeber Sie zur Hand nehmen und über welche Rasenkrankheit Sie sich informieren wollen, folgende Vorschläge sind immer Teil der vorbeugenden Massnahmen: 

  • Berücksichtigung des Standorts sowie des Nutzungsgrades bei der Erstellung der Rasenfläche 
  • Vermeidung von Verdichtung und Staunässe –> Bodenlockerung, Schlitzen, Aerifizieren, kontinuierlicher Bodenaustausch (über Sanden nach Aerifizierdurchgängen mit Hohlspoons) 
  • Auswahl der Gräserarten und -sorten beachten 
  • Vermeidung von Filzbildung > 0,5cm –> Vertikutieren, Striegeln 
  • Pflanzenernährung –> ausgewogene Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen, insbesondere keine Überversorgung mit Stickstoff (N) sowie Kalium-Mangel (K) verhindern 
  • Korrekte Bewässerung –> besser weniger häufig (1-2x wöchentlich), dafür höhere Gabe (pro Bewässerungsintervall 15-25l Wasser je nach Bodenart) 
  • Präventiver Einsatz von pflanzenstärkenden Präparaten sowie nützlichen Mikroorganismen (Bac. Amyloliquefaciens, Bac. Subtilis, Mykorrhiza-Pilze, Trichoderma-Pilze, Streptomyceten usw., effektive Mikroorganismen EM) 

Je nach Rasenkrankheit kommen individuelle Präventivmassnahmen hinzu. Die präventiven Massnahmen sollten Sie nicht unterschätzen. Sie werden in der Praxis von Rasenprofis täglich erfolgreich angewendet und reduzieren die Notwendigkeit von Fungizid-Spritzungen deutlich. Letztlich liegt die Hauptursache für einen Ausbruch und besonders der Schweregrad und die Befallsstärke des Ausbruchs bei den oben aufgelisteten Faktoren. 

In Teil 3 möchten wir Ihnen aufzeigen, wieso die Standortwahl sowie Nutzungsart der Rasenfläche relevant für die Erstellung und Pflege ist. 

Teil 2, gepostet am 22. August 2019, 07.00 Uhr 
Teil 3 folgt in 
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